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Ratgeber

Lymphdrainage oder klassische Massage: Was passt wann?

Aktualisiert am

Lymphdrainage oder klassische Massage? Bei Schwellungen und Wassereinlagerungen passt die manuelle Lymphdrainage, bei verspannten, harten Muskeln die klassische Massage. Die Lymphdrainage arbeitet mit sehr leichtem Druck auf der Haut und bringt gestautes Wasser in Fluss. Die klassische Massage knetet mit deutlich mehr Druck die Muskulatur.

Ich arbeite als Physiotherapeut mit Zertifikat für Manuelle Lymphdrainage und Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) und erlebe beide Methoden täglich. Viele Patienten kennen nur die Massage und sind überrascht, wie sanft eine Lymphdrainage ist. In diesem Ratgeber sehen Sie, wann welche Methode passt.

Was ist der Unterschied zwischen Lymphdrainage und klassischer Massage?

Der Unterschied liegt im Ziel. Die manuelle Lymphdrainage regt die Lymphgefäße an, damit gestaute Gewebeflüssigkeit abfließt. Die klassische Massage lockert Muskeln, Sehnen und Bindegewebe und fördert die Durchblutung.

Daraus folgen ganz unterschiedliche Griffe. Bei der Lymphdrainage verschiebt der Therapeut die Haut mit kreisenden, pumpenden Bewegungen, langsam und mit etwa 5 bis 7 Wiederholungen je Griff an derselben Stelle. Bei der klassischen Massage streicht, knetet und reibt er die Muskeln, oft mit Öl und kräftigem Druck.

Merkmal Manuelle Lymphdrainage Klassische Massage
Ziel. Gestautes Wasser abtransportieren. Verspannte Muskeln lockern.
Druck. Sehr leicht, auf der Haut. Mittel bis kräftig, in der Muskulatur.
Griffe. Kreisen, Pumpen, Schöpfen. Streichen, Kneten, Reiben.
Öl. Meist ohne Öl. Meist mit Öl oder Lotion.
Typische Anlässe. Lymphödem, Schwellung nach OP, Lipödem. Verspannungen, Rücken- und Nackenschmerzen.
Dauer auf Rezept. 30, 45 oder 60 Minuten. Etwa 15 bis 20 Minuten Behandlungszeit.

Wann ist eine klassische Massage die bessere Wahl?

Eine klassische Massage ist die bessere Wahl, wenn Muskeln hart, verspannt und druckempfindlich sind. Typisch sind ein fester Nacken nach langer Bildschirmarbeit, ein verspannter Rücken nach Gartenarbeit oder müde Waden nach dem Sport. Die Knetgriffe lockern das Gewebe, regen die Durchblutung an und entspannen viele Menschen spürbar.

Klassische Massage gibt es als Wellnessanwendung und als Therapie. Als Heilmittel kann der Arzt die klassische Massagetherapie bei bestimmten Beschwerden des Bewegungsapparats verordnen. Mehr zur Methode lesen Sie im Ratgeber Was ist eine klassische Massage? und unter Massage bei Verspannungen.

Wann ist Lymphdrainage die bessere Wahl?

Lymphdrainage ist die bessere Wahl, wenn ein Körperteil geschwollen ist und nach Fingerdruck eine Delle bleibt. Das gilt für ein Lymphödem, für Schwellungen nach Operationen und Verletzungen und für das Lipödem. Hier würde kräftiges Kneten das empfindliche Gewebe eher reizen.

Die manuelle Lymphdrainage beginnt nicht an der geschwollenen Stelle. Der Therapeut startet am Hals oder an den Lymphknoten nahe dem Rumpf und macht so den Abfluss frei. Erst danach arbeitet er sich zum Ödem vor. Wann sie nach einem Eingriff sinnvoll ist, erklärt der Ratgeber Lymphdrainage nach Operation.

Wie fühlt sich eine Lymphdrainage im Vergleich an?

Eine Lymphdrainage fühlt sich viel leichter an als eine Massage, fast wie ein langsames Streicheln. Der Druck ist so gering, dass manche Patienten zuerst denken, es passiere gar nichts. Schmerzen gehören nicht dazu. Viele werden während der Sitzung müde und entspannen tief.

Nach der Lymphdrainage müssen viele Patienten häufiger zur Toilette, weil das abgeflossene Wasser über die Nieren ausgeschieden wird. Nach einer kräftigen Massage spüren manche dagegen am nächsten Tag ein leichtes Ziehen in den Muskeln. Beides ist harmlos.

Was hilft bei schweren Beinen besser?

Bei schweren Beinen mit geschwollenen Knöcheln und Sockenabdrücken hilft eher die Lymphdrainage. Sie unterstützt den Abfluss von Wasser aus dem Gewebe. Fühlen sich die Beine dagegen vor allem nach Sport oder langem Stehen müde und fest an, kann eine lockernde Fuß- und Beinmassage angenehmer sein.

Plötzlich einseitig dicke, warme und schmerzende Beine gehören immer zuerst zum Arzt. Dahinter kann eine Thrombose stecken. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Lymphdrainage bei schweren Beinen.

Wann sind Lymphdrainage und Massage nicht erlaubt?

Bei akuten Entzündungen, Fieber und einer akuten Thrombose sind beide Methoden nicht erlaubt. Für die Lymphdrainage kommt eine dekompensierte Herzschwäche hinzu, weil das abfließende Wasser das Herz zusätzlich belastet. Auch bei Krebserkrankungen, einer Schilddrüsenüberfunktion oder Herzrhythmusstörungen sollte der Arzt vorher zustimmen.

Für die klassische Massage gelten weitere Grenzen. Dazu gehören frische Verletzungen, Hautentzündungen im Behandlungsgebiet und Krampfadern an der Stelle, die massiert werden soll. Wer Blutverdünner nimmt, sagt das dem Therapeuten vorher, damit er den Druck anpasst.

Kann man Lymphdrainage und Massage kombinieren?

Ja, beide Methoden lassen sich kombinieren, wenn sie unterschiedliche Körperregionen oder Ziele betreffen. Ein Beispiel ist eine Patientin mit Lymphödem am Bein und verspanntem Nacken. Dann helfen Lymphdrainage am Bein und eine lockernde Massage am Nacken. Auf ein geschwollenes Gebiet gehören jedoch keine kräftigen Knetgriffe.

Manuelle oder apparative Lymphdrainage?

Die manuelle Lymphdrainage führt ein Therapeut mit den Händen aus, die apparative Lymphdrainage ein Druckwellen-Gerät. Das Gerät arbeitet mit einer Manschette aus mehreren Luftkammern. Sie füllen sich nacheinander von den Füßen zum Oberschenkel und drücken das Bein sanft aus.

Die manuelle Lymphdrainage ist das Mittel der Wahl bei einem diagnostizierten Lymphödem und nach Operationen, weil der Therapeut Abflusswege und Narben gezielt behandelt. Die apparative Lymphdrainage eignet sich eher für schwere, müde Beine ohne Krankheitswert. Für das Gerät gelten dieselben Gegenanzeigen wie für die manuelle Lymphdrainage.

So läuft es bei Tamedes

Die manuelle Lymphdrainage auf Rezept bieten wir in der Physiotherapie in Uetze an. Die apparative Lymphdrainage gibt es als Selbstzahlerleistung ebenfalls nur in Uetze. Massagen bieten wir in Uetze und Burgdorf an. Die Rückenmassage und die Fuß- und Beinmassage dauern je 30 Minuten, die Ganzkörpermassage 60 Minuten. Therapeutische Massagen und Sportmassagen gibt es nur in Uetze.

Häufige Fragen

Ist Lymphdrainage eine Massage?

Die Lymphdrainage heißt umgangssprachlich oft Lymphmassage, arbeitet aber ganz anders als eine Massage. Sie verschiebt die Haut mit sehr leichtem Druck und regt die Lymphgefäße an. Muskeln knetet sie nicht.

Was ist entspannender, Lymphdrainage oder Massage?

Das empfindet jeder anders. Wer Entspannung mit spürbarem Druck verbindet, mag meist die klassische Massage. Viele Menschen erleben auch die langsamen, gleichmäßigen Griffe der Lymphdrainage als sehr beruhigend und schlafen dabei sogar ein.

Hilft Lymphdrainage gegen Verspannungen?

Gegen muskuläre Verspannungen ist die Lymphdrainage nicht das passende Mittel, weil sie die Muskeln kaum erreicht. Hier hilft eher eine klassische Massage oder Physiotherapie. Lymphdrainage kann aber angenehm beruhigen.

Zahlt die Krankenkasse Lymphdrainage und Massage?

Beide Methoden kann ein Arzt als Heilmittel verordnen, wenn eine passende Diagnose vorliegt. Dann übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten bis auf den üblichen Eigenanteil. Massagen zur Entspannung und die apparative Lymphdrainage zahlen Sie in der Regel selbst.

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