
Physiotherapie ist die Behandlung von Störungen der Bewegung und der Körperfunktionen mit Übungen, Handgriffen und physikalischen Reizen wie Wärme oder Kälte. Staatlich geprüfte Physiotherapeuten führen sie aus, nachdem sie 3 Jahre gelernt haben. In Deutschland verordnet sie meist ein Arzt, und eine Einheit dauert in der Regel 15 bis 25 Minuten.
Was ist Physiotherapie und warum ist sie wichtig?
Physiotherapie hilft Menschen, nach Verletzungen, Operationen oder bei Erkrankungen wieder beweglicher, kräftiger und selbstständiger zu werden. Der Name kommt aus dem Griechischen und heißt sinngemäß „Behandlung mit natürlichen Mitteln“. Das wichtigste Mittel ist die Bewegung selbst.
Früher hieß der Beruf Krankengymnast, seit 1994 heißt er Physiotherapeut. Das Masseur- und Physiotherapeutengesetz schützt den Berufstitel. Die Ausbildung dauert 3 Jahre an einer Berufsfachschule und endet mit einer staatlichen Prüfung. Inzwischen gibt es auch Studiengänge mit Bachelorabschluss.
Physiotherapie gehört zu den Heilmitteln, die Ärzte nach der Heilmittel-Richtlinie verordnen dürfen. Zu dieser Gruppe zählen auch Ergotherapie, Logopädie und Podologie. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt verordnete Physiotherapie bis auf eine Zuzahlung.
Welche Methoden gehören zur Physiotherapie?
Physiotherapie umfasst aktive Verfahren, bei denen Sie selbst üben, und passive, bei denen der Therapeut behandelt. Die meisten Patienten bekommen eine Mischung aus beidem. Die wichtigsten Verfahren und ihre übliche Dauer laut den Kassenverträgen zeigt die Tabelle.
| Verfahren | Wofür? | Übliche Dauer |
|---|---|---|
| Krankengymnastik (KG) | Kraft, Beweglichkeit, Haltung, Koordination. | 15 bis 25 Minuten. |
| KG auf neurophysiologischer Grundlage | Nach Schlaganfall, bei Parkinson oder Multipler Sklerose. | 25 bis 35 Minuten. |
| Gerätegestützte KG (KGG) | Muskelaufbau an Trainingsgeräten. | 60 Minuten. |
| Manuelle Therapie (MT) | Eingeschränkte Gelenke, gereizte Nerven. | 15 bis 25 Minuten. |
| Manuelle Lymphdrainage (MLD) | Schwellungen und Lymphödeme. | 30, 45 oder 60 Minuten. |
| Klassische Massagetherapie (KMT) | Verspannte, verhärtete Muskeln. | 15 bis 20 Minuten. |
| Wärme, Kälte, Elektrotherapie | Ergänzend zum Hauptverfahren. | Je nach Verfahren. |
Wie Handgriffe an Gelenken genau wirken, lesen Sie im Beitrag Was ist manuelle Therapie in der Physiotherapie?.
Wann wird Physiotherapie angewandt?
Ärzte verordnen Physiotherapie, wenn eine Erkrankung oder Verletzung Ihre Bewegung, Ihre Kraft oder eine Körperfunktion einschränkt. Das betrifft fast alle Fachgebiete der Medizin. Typisch sind diese Bereiche:
- Orthopädie und Unfallchirurgie: Rücken- und Nackenschmerzen, Arthrose, Bandscheibenvorfall, Knochenbrüche, Sportverletzungen.
- Nach Operationen: neues Hüft- oder Kniegelenk, Kreuzbandplastik, Eingriffe an Schulter oder Wirbelsäule.
- Neurologie: Schlaganfall, Parkinson, Multiple Sklerose, Nervenschäden.
- Innere Medizin: Atemwegserkrankungen wie COPD, Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
- Lymphologie: Schwellungen nach Operationen oder bei Lymphödem.
- Kinder und ältere Menschen: Entwicklungsverzögerungen, Gangunsicherheit, Sturzgefahr.
Bei welchen Beschwerden hilft die Therapie?
Physiotherapie kann Schmerzen lindern, steife Gelenke beweglicher machen und geschwächte Muskeln wieder aufbauen. Besonders gut belegt ist ihr Nutzen bei Rückenschmerzen, Arthrose und in der Nachbehandlung nach Operationen. Bei chronischen Rückenschmerzen gilt aktive Bewegungstherapie als einer der wichtigsten Bausteine.
Der Erfolg hängt stark von Ihrer Mitarbeit ab. Wer die Übungen zwischen den Terminen regelmäßig macht, kommt meist schneller voran. Zwei bis drei gut erklärte Übungen, täglich ausgeführt, bringen oft mehr als ein langes Programm, das liegen bleibt.
Physiotherapie hat auch Grenzen. Bei Taubheit, Lähmungen, Fieber, starken nächtlichen Schmerzen oder Beschwerden nach einem Unfall gehen Sie bitte zuerst zum Arzt. Er klärt die Ursache, bevor die Therapie beginnt.
Wie erhalten Patienten eine Physiotherapie?
Für Physiotherapie auf Kassenkosten brauchen Sie eine Heilmittelverordnung von Ihrem Haus- oder Facharzt. Bei Kieferbeschwerden darf auch der Zahnarzt verordnen. Auf dem Rezept stehen Diagnose, Verfahren, Anzahl und Häufigkeit der Termine.
- Rezept holen: Ihr Arzt verordnet meist bis zu 6 Termine je Rezept, bei neurologischen Erkrankungen oft mehr.
- Rechtzeitig beginnen: In der Regel innerhalb von 28 Tagen ab dem Datum auf dem Rezept, bei dringlichem Bedarf innerhalb von 14 Tagen.
- Termine vereinbaren: Meist ein- bis dreimal pro Woche. Unterbrechen Sie nicht länger als 14 Tage am Stück, sonst verliert das Rezept seine Gültigkeit.
- Zuzahlung leisten: Erwachsene zahlen 10 % der Kosten plus 10 Euro je Rezept. Kinder unter 18 Jahren sind befreit.
Privatversicherte erhalten eine Rechnung für ihre Versicherung. Ohne Rezept können Sie Physiotherapie als Selbstzahler buchen. Einen Direktzugang auf Kassenkosten ohne ärztliche Verordnung gibt es in Deutschland bisher nicht.
Wie läuft eine Physiotherapie ab?
Am Anfang steht ein Befund: Gespräch, Sichtung der Arztberichte und Tests von Beweglichkeit, Kraft und Haltung. Daraus leitet der Therapeut ein Ziel ab, das Sie im Alltag spüren, zum Beispiel wieder Treppen steigen oder schmerzarm am Schreibtisch sitzen.
In den folgenden Terminen behandelt und übt er mit Ihnen. Er prüft regelmäßig, ob Sie dem Ziel näherkommen, und passt Übungen und Griffe an. Am Ende einer Serie schreibt er einen kurzen Bericht für Ihren Arzt, wenn dieser ihn anfordert.
Zum ersten Termin bringen Sie Ihr Rezept, vorhandene Befunde und bequeme Kleidung mit. Viele Praxen bitten zusätzlich um ein großes Handtuch für die Liege.
Welche Rolle spielt der Physiotherapeut in der Therapie?
Der Physiotherapeut behandelt, leitet an und berät. Er setzt die ärztliche Verordnung um und wählt innerhalb des verordneten Verfahrens die passenden Techniken. Ihr Arzt stellt die Diagnose, der Therapeut erkennt im Verlauf, was Ihren Körper weiterbringt.
Ein guter Physiotherapeut erklärt Ihnen, was er findet und warum er etwas tut. Er gibt Ihnen Übungen mit, die zu Ihrem Alltag passen, und meldet Ihrem Arzt, wenn etwas nicht ins Bild passt. Viele Therapeuten haben Zusatzqualifikationen, etwa in Manueller Therapie, Lymphdrainage oder neurologischen Konzepten.
Physiotherapie unterscheidet sich von Massage und Osteopathie. Den Vergleich finden Sie in den Beiträgen Massage oder Physiotherapie? und Unterschied zwischen Physiotherapie und Osteopathie.
Physiotherapie bei Tamedes
In unserer Physiotherapie in Uetze behandeln wir gesetzlich und privat Versicherte sowie nach Arbeitsunfällen. Wir bieten Krankengymnastik, neurologische KG, Manuelle Therapie, CMD-Therapie, Lymphdrainage, Massagetherapie, Wärme, Atemtherapie und Taping an. Ihr Rezept können Sie als Foto über rezept-eingang.tamedes.de hochladen. Im Frühjahr 2027 eröffnet in Burgdorf eine zweite Praxis mit Trainingsfläche und gerätegestützter KG. Alle Leistungen stehen auf der Seite Physiotherapie.
Häufige Fragen
Was ist Physiotherapie, einfach erklärt?
Physiotherapie ist eine Therapie mit Bewegung, Handgriffen und physikalischen Reizen. Sie soll Schmerzen lindern und Ihnen helfen, sich im Alltag wieder sicher und kräftig zu bewegen.
Wie lange dauert eine Physiotherapie?
Eine Einheit Krankengymnastik oder Manuelle Therapie dauert 15 bis 25 Minuten. Eine Serie mit 6 Terminen erstreckt sich bei 1 bis 3 Terminen pro Woche meist über 2 bis 6 Wochen.
Was ist der Unterschied zwischen Physiotherapie und Krankengymnastik?
Krankengymnastik ist ein Teil der Physiotherapie, nämlich die aktive Übungstherapie. Physiotherapie ist der Oberbegriff und umfasst zusätzlich Manuelle Therapie, Lymphdrainage, Massage und physikalische Anwendungen.
Was kostet Physiotherapie mit Rezept?
Mit Kassenrezept zahlen Erwachsene 10 % der Kosten plus 10 Euro je Rezept. Wer die jährliche Belastungsgrenze von 2 % des Bruttoeinkommens erreicht, kann sich befreien lassen, bei chronisch Kranken gilt 1 %.
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